E-Mail christoph.olingnoSpam@oling.ch

Telefon +41 61 701 76 00

Oswald Dubach

*22.10.1884 bei Moskau auf einem Bauernhof (Russland) †19.05.1950 Dornach (Schweiz)

Oswald Dubach war ein anerkannter Maler, bevor er sich auf Anregung Steiners ganz der Bildhauerei verschrieb. Dubach begründete die Plastikschule am Goetheanum. Dubach, dessen Schweizer Großeltern nach Russland ausgewandert waren, besuchte die Realschule in Morschansk (südöstlich von Moskau). Seine Eltern betrieben eine Molkerei. Als 18-Jähriger ging er in die Schweiz und studierte Grafik an der Kunstgewerbeschule in St. Gallen. In Paris, München (Kunstakademie) und Italien suchte er sich zu vervollkommnen und brachte es durch Ausstellungen seiner Bilder zu erster Anerkennung. 1909 kehrte er nach Russland zurück und unternahm von dort aus als Maler bis 1911 Studienreisen durch den Kaukasus und den Ural, bis ans nördliche Weiße Meer und nach Lappland. Wieder in Moskau, plante er die Gründung einer eigenen Malschule, musste aber wegen sozialer Unruhen als verdächtiger Ausländer Russland verlassen. Er ging für kurze Zeit in den Schweizer Kanton Glarus und nach Paris, wo er durch den russischen Kunsthistoriker Trifon G. Trapeznikov von der Anthroposophie erfuhr. Dubach reiste nach München, begegnete dort Rudolf Steiner und veranlasste sofort den Umzug nach München. 1911/12 hörte er Rudolf Steiners Vorträge. Er erlebte die Mysterienspielkunst, nahm an einem Einführungskurs von Ernst Uehli teil und hörte dessen Vorträge über germanische Mythologie.

Als der Goetheanum-Bau in Dornach beschlossen wurde, gehörte Dubach zu den ersten, die sich zur Verfügung stellten. Er gab die eigene Malerei fast gänzlich auf, um sich den neuen anthroposophischen Kunstimpulsen zu widmen. Er arbeitete 1913 zunächst an den Baufundamenten, dann an der Gestaltung des Sockelbaus. Als einer der Ersten eignete er sich auf persönliche Anweisung Steiners die neuen Schnitztechniken an und schnitzte später Architrave, arbeitete am Rotbuchenraum. Nach 1919, nachdem er zwei Jahre im Krieg auf deutscher Seite gekämpft hatte, übertrug ihm Steiner die Leitung der gesamten plastischen Arbeiten am Bau.
Nach 1929 gründete und leitete Dubach, der nun zu einem eigenen bildhauerischen Gestalten fand, die Plastikschule am Goetheanum. Dort modellierte er die Formen des ersten Goetheanum nach, um den Schülern, vor allem durch das Studium der Sockel, Architrave und Kapitelle, die Grunderlebnisse der neuen Kunstimpulse zu vermitteln. 

Dubach hatte hervorragenden Anteil an der Gestaltung des Westportals des zweiten Goetheanum, gestaltete auch Tore, Bronzelampen und Türgriffe, Stiegengeländer und schnitzte den Eingangsbereich zum Urnenraum. Mehrere seiner zwischen 1929 und 1949 entstandenen Arbeiten, wie die Gestalt des „Kalevala“ oder des „Ziu“, befinden sich im Goetheanum. Die schönste Aufgabe für Dubach war die Ausführung des Rednerpults, das Rudolf Steiner einmal vor Besuchern als die am besten gelungene Arbeit am Bau bezeichnete. Die von ihm gestalteten, sehr massiven Möbelstücke waren 1930 in Basel ausgestellt. Zu seinen letzten Arbeiten gehört ein überlebensgroßer Kopf von Steiner in Holz. Nach 1942 leitete Dubach verschiedene Studienabende im Glashaus, so u. a. „Wege zu einem neuen Baustil“, „Der Dornacher Bau als Wahrzeichen“, „Der Baugedanke“. 

Quelle: aus Mario Zadow in Forschungsstelle Kulturimpuls - Biographien Dokumentation.